Vor ein paar Monaten stand ich im Laden und wollte mir ein neues Spiel kaufen, plötzlich neben mir: ein älteres Ehepaar mit ihrem (vermutlich) Enkel. Sie wollten ihm eine Freude machen und ihm ein neues Computerspiel kaufen. 15 Minuten später standen sie noch immer da und diskutierten, weitere 5 Minuten später verlor der Mann die Lust und griff irgendein Spiel heraus.
Viele Eltern und Großeltern stehen im Laden vermutlich vor einem ähnlichen Problem. Mal abgesehen von der scheinbar unendlichen und unübersichtlichen Auswahl an Möglichkeiten, ist oft auch die eigene Unkenntnis ein Problem. Schnell fallen der Frau die Alterskennzeichnungen auf, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung.
Was ist das überhaupt: USK? Ich denke jeder hat schon mal einen Film gesehen und kennt sich recht gut mit der FSK aus, der Empfehlung, ab welchem Alter der Film oder auch eine Serie geeignet sind. Die USK macht eben genau das, nur für digitale Spiele. Auf der Seite der USK gibt es eine sehr ausführliche Erklärung dazu und darüber hinaus auch sehr viele zusätzliche Informationen zum Thema digitale Spiele, wie beispielsweise einen Elternratgeber mit Tipps zum Umgang mit Computerspielen, ein Lexikon mit wichtigen Begriffen oder Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Damit hat man bei der Auswahl von Spielen zwar ein wichtiges Indiz, aber ist das ausreichend? Wie sucht ihr beispielsweise einen Film aus? Guckt ihr, ob er eurem Alter entsprechend gekennzeichnet ist und dann passt das schon? Vermutlich nicht. Und genau wie bei Filmen gibt es auch bei digitalen Spielen sehr viel mehr Kriterien, die darüber Aufschluss geben, ob ein Spiel uns gefällt oder nicht.
Eine weitere Hilfe könnte sein, wie pädagogisch wertvoll ein Spiel ist. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat beispielsweise eine Broschüre dazu heraus gebracht, die hier Aufschluss geben kann. Auch auf der Seite spielbar.de werden Spiele neben den üblichen Kriterien wie Grafik oder Spielmechaniken auch einer pädagogischen Beurteilung unterzogen. Definitiv ein weiterer und sehr wichtiger Anhaltspunkt.
Aber wie man auf der Seite der USK so passend lesen kann:
Spiele sind in erster Linie Unterhaltungsmedien. Wenn sie dabei auch noch Lerneffekte für Ihr Kind haben: umso besser!
Auswahl geeigneter Spiele – Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (usk.de)
Und dieser Punkt findet in meinen Augen oft zu wenig Beachtung, obwohl dies doch der Grundgedanke von digitalen Spielen ist. Spiele sollen dem Kind als Unterhaltung dienen, sie sollen Spaß machen und bestenfalls Emotionen wie Glück und Freude hervorrufen. Und genau in diesem Punkt ist es wichtig, dass Eltern sich mit den Spielen, die ihre Kinder spielen auseinandersetzen. Da gibt es verschiedene Genres, Themengebiete, Schwierigkeitsgrade und viele weitere Kriterien für die Auswahl des richtigen Spieles. Was liegt eurem Kind, was spielt es gern, wo liegen seine Interessen?
Ich denke, wenn ihr eurem Kind ein Spiel kaufen wollt, sollte es in erster Linie dem Kind gefallen. Die USK sollte dabei immer beachtet werden, aber sie sollte nicht einziges Kriterium sein. Denn schließlich wollt ihr dem Kind eine Freude machen, die falsche Auswahl eines Spieles kann aber schnell im Frust enden. Aber wie findet man heraus, was dem Kind gefällt? Hier ein paar Tipps:
- Spielt das Kind bereits Spiele, guckt euch diese an und setzt euch damit auseinander. Oft hilft auch eine schnelle Google Recherche mit den Stichworten „Ähnliche Spiele wie…“.
- Fragt eure Kinder regelmäßig wenn sie spielen: „Was gefällt euch an dem Spiel?“
- Fragt andere Eltern aus dem Freundeskreis eures Kindes, was diese spielen, vielleicht auch gemeinsam mit eurem Kind, wenn es zu Besuch ist.
Das Wichtigste ist aber: kauft Spiele bewusst. Bestenfalls wählt nicht allein aus, sondern wählt gemeinsam mit dem Kind und bezieht es in den Entscheidungsprozess mit ein. Überlegt euch bereits zu Hause, gemeinsam mit dem Kind, welche Spiele in Frage kommen. Gebt auch den Großeltern eine solche Liste, für eben den eingangs beschriebenen Fall. Damit kauft ihr in jedem Fall ein Spiel, das den Interessen eures Kindes am ehesten entspricht.
Wichtig aber auch, trotz aller Recherche und Vorbereitung, ganz vermeiden lässt sich der Frust eines schlechten Spieles natürlich nicht, aber das ist auch ok. Ich denke wir alle haben schon nach einem Kinobesuch überlegt, an der Kasse unser Geld zurück zu verlangen. 😉